Naomi Inoue – STIMME | MUSIK | PÄDAGOGIK

Vita

Naomi Inoue

Sopranistin | Gesangs- und Musikpädagogin | Chorleiterin

Mitgliedschaft im Bundesverband Deutscher Gesangspädagogen (BDG) und im Deutschen Tonkünstlerverband Hamburg (DTKV)

Von der Konzertbühne zur musikalischen Bildungsarbeit

Musik begleitet mein Leben als Sängerin und Pädagogin seit vielen Jahrzehnten. Meine künstlerische Ausbildung und Konzerttätigkeit führten mich von Japan nach Frankreich, Österreich und Deutschland und brachten mich mit sehr unterschiedlichen musikalischen Traditionen und Persönlichkeiten zusammen.

Heute bildet diese Erfahrung die Grundlage meiner pädagogischen Arbeit. Dabei beschäftigt mich besonders das Zusammenspiel von Stimme, Körperfunktion, Atmung und musikalischer Vorstellung: Wie lässt sich eine Stimme technisch so entwickeln, dass daraus nicht Kontrolle um ihrer selbst willen, sondern Freiheit im Ausdruck entsteht?

Diese Verbindung von künstlerischer Erfahrung und systematischer Vermittlung prägt meinen Gesangsunterricht, meine Arbeit mit Chören und meine musikalische Bildungsarbeit.

Künstlerische Ausbildung

Ich studierte Gesangspädagogik und absolvierte meinen Master im Fach Gesang an der staatlichen Pädagogischen Universität Osaka.

Zu meinen prägenden Lehrern gehörten Prof. Tatsuji Hayashi in Japan, Prof. Édith Selig-Papée in Paris, die Opernsängerin Olivera Miljakovic in Wien sowie Prof. Horst Günter in Freiburg.

Weitere wichtige Impulse erhielt ich in zahlreichen internationalen Meisterkursen, unter anderem bei Édith Selig-Papée und Prof. Henriette Puig-Roget im Rahmen der Französisch-Lieder-Gesellschaft sowie bei Prof. Lorraine Nubar und Dalton Baldwin an der International Music Academy in Nizza. 1996 nahm ich in Zell an der Pram in Österreich an der Meisterklasse für Alte Musik bei Wolf Matthias Friedrich teil.

Mein Repertoire reicht von Renaissance und Barock über das deutsche und französische Kunstlied bis zur Musik des 20. Jahrhunderts und zu zeitgenössischen japanischen Kompositionen. Eine besondere Rolle spielten dabei unter anderem Werke von Mozart, Schumann, Fauré, Ravel, Duparc, Debussy und Messiaen sowie Musik von de Falla, Gershwin und Cage.

Konzerttätigkeit und künstlerische Projekte

Meine Konzerttätigkeit begann in Japan mit Lieder- und Kammermusikabenden. Zu den prägenden Stationen gehörten 1987 die Konzerte zum 50. Todestag von Maurice Ravel in Osaka und Kobe.

Von 1991 bis 1996 entstand die Konzertreihe „Renaissance und Neuschöpfung“ mit Werken unter anderem von Dowland und Byrd, gemeinsam mit dem Kambe Yukimi Viola da Gamba Consort in Osaka und Tokyo.

Als Solistin trat ich 1990 und 1992 mit dem Kansai- und Osaka-Sinfonieorchester, 1994 und 1995 mit dem tschechischen und dem Leipziger Sinfonieorchester sowie 1996 mit dem slowakischen Solisten-Sinfonieorchesterauf.

Ein weiterer Schwerpunkt meiner Arbeit lag früh in der Verbindung verschiedener Kunstformen und musikalischer Traditionen. Von 1990 bis 1997 wurden regelmäßige Projekte unter anderem durch die TOYOTA- und NARAMACHI-Stiftungen unterstützt. Dabei arbeitete ich mit Künstlerinnen und Künstlern aus unterschiedlichen Bereichen – von traditionellen japanischen Instrumenten bis zum Jazz.

Von 1995 bis 1997 entwickelte ich eine Mono-Opern-Serie nach japanischen Legenden, gefördert durch das japanische Kultusministerium, die Japan Foundation sowie die Städte Osaka und Nara.

Japan und Deutschland

Nach meinem Wechsel nach Deutschland setzte ich meine Konzerttätigkeit fort. 1997 und 1998 führte ich im Raum Stuttgart/Tübingen Bachs Solokantate „Ich bin vergnügt mit meinem Glücke“ sowie Werke von Purcell und Händel auf.

Im Kulturprogramm „Japanjahre 2000/01 in Deutschland“ sang ich 2000 im Theaterhaus Stuttgart die Hauptrolle in „UNEME“ in Zusammenarbeit mit Dance Art Stuttgart.

Von 2003 bis 2006 folgten weitere spartenübergreifende Projekte verschiedener Ensembles und Units. Dazu gehörte die Gesangs-Hauptrolle im Projekt „GENJI“, das mit Unterstützung der Japan Foundation unter anderem in der Liederhalle Stuttgart und in Osaka aufgeführt wurde. Weitere Produktionen führten mich an das Theater Rampe Stuttgart sowie in das Kulturzentrum und Landestheater Tübingen.

2009 trat ich mit „Lovestory in Kyoto“ in Japan auf – einem Programm mit Chansons, Berliner Musik und Operettenstücken. Die Zusammenarbeit in unterschiedlichen Konzertformaten in Japan und Deutschland führte später unter anderem zum Live-Programm „Lovestory“ für zwei Frauenstimmen und ein Instrument – dem Ausgangspunkt für unser Ensemble „DuoPlusOne“ gemeinsam mit meiner Tochter.

Von der Bühnenerfahrung zur Pädagogik

Parallel zur Konzerttätigkeit gehörte die pädagogische Arbeit von Anfang an zu meinem musikalischen Weg. Bereits in Japan unterrichtete ich über viele Jahre privat und leitete Stimmbildungsseminare für Chöre.

Seit 2002 gab ich in Deutschland Stimmbildungskurse in Kooperation mit Volkshochschulen und Musikschulen zunächst in Tübingen, später auch in Reutlingen. Von 2004 bis 2006 arbeitete ich als Chorleiterin mit besonderem Schwerpunkt auf Stimmbildung. Seit 2006 führe ich auch in Deutschland wieder kontinuierlich Privatunterricht mit Schülerkonzerten durch.

Meine gesangspädagogische Qualifikation vertiefte ich durch das Gesangspädagogische Zertifikat (GPZ) des Bundes Deutscher Gesangspädagogen.

Heute unterrichte ich privat sowie an der Musikschule Schneider und bin als Dozentin an der VHS Hamburg tätig. Mit den Alstersingers verbinde ich Stimmbildung, Ensemblearbeit und Konzertpraxis zu einer kontinuierlichen chorischen Bildungsarbeit.

Was davon heute bleibt

Aus den unterschiedlichen Stationen meines Weges ist für mich mit den Jahren eine zentrale pädagogische Frage entstanden: Wie kann ein Mensch seine Stimme verstehen und kontrollieren lernen, ohne dabei seine Freiheit im musikalischen Ausdruck zu verlieren?

Meine Arbeit beruht deshalb nicht allein auf der Weitergabe eigener sängerischer Erfahrungen. Ich möchte Zusammenhänge verständlich machen: zwischen Körper und Atmung, Stimmfunktion und Klang, musikalischer Vorstellung und Ausdruck.

Technik ist für mich kein Selbstzweck. Sie schafft die Sicherheit, aus der freier und persönlicher Ausdruck entstehen kann.